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Unsere Erlebnisse in Suzhou
 

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... wie die Jungfrau zum Kind

Und in dieser Episode lernen wir, dass man vieles (bis nichts) so richtig planen kann
und die Dinge auch mal passieren lassen muss :-)

Wie ihr ja vermutlich wisst, möchte die Cora hier auch etwas arbeiten. Hat auch ein
paar Kontakte aufgenommen und so – wie man das halt in Deutschland so machen
würde… ist ja aber auch nicht sooo furchtbar eilig, deshalb ruhte das ganze
Vorgehen dann so ein bisschen.

Dann waren wir mit Björns Team Abendessen und haben den Jungs so von diversen
Dingen erzählt. Unter anderem haben sie uns danach eine U-Bahn-Karte und mir eine
chinesische SIM-Karte besorgen wollen und haben sich fast drum geschlagen, wer
das jetzt machen darf. Man muss da echt vorsichtig sein, was man sagt. Eigentlich
möchte man nur einen Tipp oder eine Info… andererseits benötigt man die Hilfe, da
die meisten Leute in den Geschäften ja kein Englisch sprechen und wir dummerweise
nur äußerst leidlich chinesisch.

Stichwort! Denn das war das Dritte was wir angesprochen haben, dass Cora gerne
einen Chinesisch-Kurs machen würde und ob sie da einen Tipp haben. Daraufhin
meinte Sky (ja, sie geben sich teilweise seltsame englische Namen fürs Berufsleben),
er mache gerade einen Englischkurs und werde in dieser Schule einmal nachfragen
für mich. Prima! Vielen Dank auch!

Allerdings ist dann folgendes passiert: Sky rief einen Tag später an und sagte er
habe nun seinen Englischlehrer dran. Der wollte mit Cora sprechen. Prima! Mal sehen,
was die so für Angebote haben. Nun, er bot mir an als Englischlehrerin bei ihnen
anzufangen. Große Augen meinerseits! Ein paar Tage später, sollte ich zum
Vorstellungsgespräch kommen.

Gesagt, getan, er hat mir dort alles erläutert, hat weder gefragt wie gut meine
Englischkenntnisse so sind, noch hat es ihm etwas ausgemacht, dass ich noch nie
unterrichtet habe. Es scheint wohl so, dass westliches Aussehen dafür genügt…. Hm?!

Ich zweifelte, aber auf einen Versuch wollte ich es schon ankommen lassen.
Die erste Praxis sammelte ich dann bei einem Englisch-Wettbewerb für Schüler, bei
dem ich für die Jury angeheuert wurde.


(mit dabei war auch noch ein sehr netter Amerikaner, der aber leider auf dem Foto fehlt)

Einen ganzen Sonntag, habe ich Suzhouer Schüler bewertet und dabei einiges
interessantes über deren Denkweisen, Erziehungsmethoden und Tagesabläufe
erfahren. Ich sage nur: Deutsche Schüler haben es ganz schön gut! (das dürfen
meine Lehrerfreunde auch gerne an ihre Schüler weitergeben, wenn die mal wieder
stöhnen :-)). War ein witziges und interessantes Erlebnis, aber dabei musste ich ja
nun auch nicht so viel tun.


(die Schüler mussten sich vor diese Werbewand aufstellen und zu einem spontan vorgegebenen Thema eine 90-sekündige Rede halten.
Wurde auch alles mit Kameras aufgezeichnet für CCTV. Der Gewinner kam
eine Runde weiter zum Wettbewerb in Nanjing.
)

Diese Woche hatte ich dann meine ersten zwei Klassen. Das kam allerdings auch
mehr spontan, weil wohl jemand krank wurde. Jedenfalls ist es an dieser
Sprachschule (ich würde es mit unserer VHS vergleichen, da hauptsächlich
Erwachsene nach der Arbeit die Kurse buchen, um ihr Englisch zu verbessern) üblich
den Unterricht vor Ort in der Schule vorzubereiten und zwar so 1 Stunde vorher.
Kleine Powerpoint-Präsentation und das Lehrbuch und fertig. Vor meiner ersten
Stunde mutete ich mir allerdings besser 2 Vorbereitungsstunden zu – was auch gut
so war.

Ich war natürlich relativ nervös, hatte aber nicht viel zu verlieren. Also, sicheres
Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit :-).

Ergebnis: es ging zwar alles und ich habe mich nicht blamiert, aber wie ich vermutet
habe ist mein Englisch einfach nicht gut genug, um darin Unterricht zu geben! Ich
habe dabei einfach kein gutes Gefühl… Bei spontanen Fragen und Grammatikübungen
komme ich ins Straucheln. Mein Englisch mag zum Kommunizieren reichen, aber ich
kann doch damit keine Leute unterrichten…! Aber einen Versuch war’s wert – wieder
eine Erfahrung reicher.

Wir werden sehen, was als nächstes passiert!

Best regards!

(@Meli S-R: and now can come what wants, because this was not the yellow from the egg :-))

P.S: Am Montag fängt übrigens mein Chinesisch-Kurs an :-)

9.5.14 08:26, kommentieren

Einkaufserlebnis Auchan

Eine zentrale Rolle bei der Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse spielt die Nahrungsbeschaffung. Für alle Bedürfnisse -vom Reiskocher bis zum Reis und einer Schüssel dazu, vom iPhone Ladekabel bis zu den Fertignudel- gibt es in Suzhou den Auchan Supermarkt (eine französische Kette, die sich hier ganz schön durchgesetzt hat).  „Real – Einmal hin alles drin“? Real dürfte hier nicht mal verschämt in der Ecke stehen.

Hier nun Björns Geschichte:

Es ist Samstagnachmittag gegen 13:00 Uhr. Hunger macht sich breit und der Kühlschrank ist leer. Cora und ich rüsten uns für die Mission „Einkaufen“. Mit Rucksack, stabilen Schuhen und frohem Mut starten wir zum Auchan.  Nach einer kurzen Taxifahrt stehen wir im Einkaufszentrum vor dem Supermarkt. Ich stelle fest, außer uns scheinen nochmal ca. 1000 Personen die gleiche Idee gehabt zu haben. Der Treck zieht langsam in den Supermarkt ein. Vor mir eine Frau mit Kind im Arm und Telefon am Ohr, die der Meinung ist, man muss nicht schnell gehen, Zombiegeschwindigkeit reicht. Hinter mir eine nette ältere Dame mit Einkaufswagen, die meint ich würde schon schneller gehen, wenn sie mir ihren Wagen nur oft genug ins Kreuz rammt.

In der Elektronikabteilung überlege ich kurz, ob ich mir ein Ladekabel kaufe und die nette Dame damit erdrossele...

Aber heute habe ich eine Mission, ich brauche Abflussreiniger. Ich stehe vor einem Regal. 10m breit 4m hoch und dabei sind die meisten Chinesen recht klein.  Die Flaschen sehen erstmal nach Putzmittel und ähnlichem aus. Ich kann zwar weder die Beschriftung auf den Flaschen noch die Schilder am Regal lesen, aber Gott sei Dank gibt es Bilder. Es lachen mich Hausfrauen mit Victoryzeichen an, glatzköpfige Männer und besoffen aussehende Elefanten. Ich entscheide mich für eine Flasche mit dem besoffenen Elefanten, weil der Rüssel irgendwie die Form eines Siphons hat und will sie in meinen Wagen legen. Plötzlich kommt eine Verkäuferin auf mich zu, redet auf mich ein und zeigt auf lachende Hausfrau. Ich mache ein fragendes Gesicht und zucke mit den Schultern. Für sie scheint das zu bedeuten, wiederhole es noch dreimal und beim letzten Mal schön langsam. Scheinbar soll ich den besoffenen Elefanten nicht kaufen. Also gut, ich stelle den besoffenen Elefanten wieder zurück und nehme lachende Hausfrau. Meine Verkäuferin lacht jetzt auch und erzählt wahrscheinlich daheim, dass sie den Ausländer ganz toll beraten hat.

Nächster Schritt Nahrungsbeschaffung.

Fleischabteilung Auchan Samstagnachmittag ist eine Mischung aus Löwen, die sich auf eine Gazelle stürzen und A-Block bei Rock am Ring. Dazu kommt noch die Garküche daneben in der allerlei Getier einen raschen Tod findet. Noch besser die Fischabteilung. Da wird komplett auf Frische gesetzt, die Viecher muss man dann selber töten. Ich hoffe ja immer noch, dass einmal ein größerer Fisch oder ein Krebs einem Kunden einen Finger abbeißt. Wir entscheiden uns heute für Schweinefleisch, dazu Nudeln und etwas Gemüse. Da dass alles schon tot ist, scheint es für die Chinesen uninteressant zu sein, deshalb keine Schlangen. In der Reisabteilung kommt mir ein Gedanke:

Kennt ihr den Ausspruch: “Das interessiert mich ungefähr so, als wenn in China ein Sack Reis umfällt“. Da man bei uns den Reis nicht Säckeweise bekommt, lässt sich nicht überprüfen, wie interessant sowas wirklich ist. Im Auchan gibt es Reissäcke….

Ich weiß jetzt, es ist nicht so interessant. Es kommt ein armer Mitarbeiter, der das 25Kg Packet wieder aufheben muss und mich dabei vorwurfsvoll ansieht. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, bin aber auch um eine Erfahrung reicher.

Nach der recht einfachen Beschaffung von Getränken und der verzweifelten Suche nach Salz (findet man bei den exotische Gewürzen), ist der Wagen voll und wir sind auf dem Weg zu den Kassen.

Ground Zero im Supermarkt, 110 Kassen aufgereiht wie eine Römische Zenturie. Die hintersten Kassen verschwinden schon im Nebel.


Vor jeder Kasse stehen ca. 10-12 Personen an. Das bedeutet, dass sich hier grob die Einwohnerzahl von Steinhilben versammelt hat, um zu bezahlen. Ich stelle mal wieder fest, dass wir die einzigen Ausländer im ganzen Laden zu sein scheinen. Da es in so einer Schlange ja doch recht langweilig sein kann, vertreiben sich die Chinesen die Zeit damit die Ausländer anzustarren. Besonders Cora mit ihren blonden Haaren zieht interessierte bis neidische Blicke auf sich. Auch scheint es interessant zu sein, was die Ausländer so kaufen. Der Inhalt unseres Einkaufwagens wird ausgiebig betrachtet und scheinbar auch diskutiert. Die nette Dame vom Eingang ist mit ihrem Wagen auch wieder da und ich frage mich ob ich nicht doch noch schnell ein Ladekabel kaufen soll…

Nach 10min an der Kasse haben wir dann auch bezahlt und verlassen schwer bepackt den Auchan. Wir steigen ins Taxi und zeigen wir dem Fahrer eine Karte mit unserer Anschrift. Als er eine Lupe heraus zieht, um die doch 12mm großen Symbole zu entziffern, machen sich bei mir Sorgen breit. Das Taxi brettert los. Als Ingenieur kann ich sagen, dass bei diesem Fahrzeug mindestens drei Systeme die technische Unbedenklichkeit des Fahrzeuges beeinträchtigen. Ich kann schlecht sagen was schlimmer ist. Der quietschende Zahnriemen kurz vor dem Versagen, die Motorkontrollleuchte, die flackert wie die Beleuchtung auf einem Elektrokonzert oder das Radlager direkt hinter mir, das sich anhört als hätte jemand Kieselsteine in einen Betonmischer gepackt. Ich denke ein TÜV Prüfer würde bei diesem Fahrzeug seinen Drucker wieder auf
Endlospapier umstellen.

Scheinbar braucht der Fahrer die Lupe nicht zum Autofahren. Fußgänger und Rollerfahrer kann man weg hupen und rote Ampeln scheinen eh mehr so eine Art Empfehlung zu sein. Nachdem wir die Strecke in der halben Zeit, die Michael Schumacher benötigt hätte, gemeistert haben stehen wir wieder vor unserem Compound und ich freue mich auf mein Sofa.

Über den Alltag hier gibt es noch viele weitere Geschichten, wie Autofahren, Nachtleben und der Umgang mit artilleriefähigem Feuerwerk zur Panzerabwehr. Dazu aber später.

2 Kommentare 13.5.14 10:38, kommentieren